
So, heut hab ich diesen Eintrag endlich mal zu Ende geschrieben…
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Ich bin ja ein großer Freund von Listen. Und eigentlich auch ein großer Freund des Lesens. Dafür bleibt aber eigentlich immer viel zu wenig Zeit. Trotzdem hab ich auch 2009 wieder ein paar Bücher gelesen - im Urlaub, auf dem Weg zur Arbeit und zurück, im Bett in den letzten 30 Minuten des Tages, auf der Couch mit der Schweinegrippe:
_John Steinbeck: Die Strasse der Ölsardinen (Deutsch, Ullstein 1985): “Cannery Row in Monterey in California is a poem, a stink, a grating noise, a quality of light, a tone, a habit, a nostalgia, a dream.” John Steinbeck und die Great Depression ist ja eigentlich immer eine gute Melange. Hier zeichnet Steinbeck das Bild einer Kleinstadt, dessen Fischindustrie in der Zeit der Great Depression zugrunde gegangen ist und dessen Bewohner sich nun durchschlagen müssen. Einfach geschrieben, daher sehr gut lesbar. Leider kann die deutsche Übersetzung die Sprache des Originals überhaupt nicht transportieren, sie wirkt eher oft unfreiwilig komisch. Muss im Original gelesen werden.
_Harper Lee: To Kill a Mockingbird (Warner Books, 1982): Wie heißt es so schön auf dem Cover - “The Timeless Classic of Growing Up and the Human Dignity Taht Unites Us All.” Eine Reise durch eine Kindheit in den Südstaaten der 1930er, erzählt aus der Perspektive der sechsjährigen “Scout” Finch. Und eine Geschichte über den allgegenwärtigen Rassismus des amerikanischen Südens. Sehr kurzweilig, sehr humorvoll geschrieben - viel besser als erwartet.
_Henning Mankell: Die italienischen Schuhe (dtv, 2009): Schnell im Urlaub gelesen. Ein alter Mann und das Meer und seine Insel, sein Hund, seine Katze. Und dann treten ein paar Frauen in sein Leben und bringen alles durcheinander. Wie gemein. Ein bisschen langweilig, aber irgendwie musste ich doch immer wieder weiterlesen. Die Charaktere sind ganz interessant gezeichnet, aber irgendwie plätschert das Buch so vor sich hin. Hätte ich vielleicht besser gefunden, wenn ich auch ein alter Mann am Meer wäre. Dann hätte ich auch gerne noch eine eigenen Insel. Les ich nochmal, wenn ich die Riester-Rente ausbezahlt bekommen habe.
_Frederick Lewis Allen: Only Yesterday - An Informal History of the 1920s (Harper & Row, 1951, Originalausgabe: 1931): Sehr prosaisches Sachbuch zur Geschichte der 1920er in den USA - vom Boom bis zum Crash, von Wilson zu Harding zu Coolidge zu Hoover, von Babbitt zu Mencken, von Architektur zur Kultur zur Küche. Lewis Allen seziert die 20er Jahre in den USA mit großer Akribie und Sammelwut, so dass sie wirklich bildlich vor den Augen des Lesers erscheinen. Interessant.
_Marie Hermanson: Der Mann unter der Treppe (Suhrkamp 2007): Wenn ich ein Buch anfange, lese ich es auch meistens zu Ende, auch wenn es manchmal Zeitverschwendung ist. Ein Buch wie ein sehr durchschnittlicher amerikanischer TV-Thriller, das Ende war schon ziemlich am Anfang vorsehbar. War irgendwie verschenkte Zeit.
_Michael Chabon: The Yiddish Policemen’s Union (HarperCollins 2007). Ganz spannende Konstruktion einer Parallelwelt. In dieser bekommen europäische Juden nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs eine Zufluchtsstätte in Alaska (diesen Plan, den sog. Slattery Report, gab es wirklich) - und da die israelische Staatsgründung scheitert, wird Sitka zur quasi-autinomen Heimstatt der Juden. Und dort wird eine heroinsüchtiger, schachspielender Heiland in spe gemeuchelt und setzt damit die Ereignisse und die Ermittlungen von Detective Meyer Landsmann in diesem Crime Noir in Gang.
_Philip Roth: Everyman (Vintage Books, 2006). “Here where men sit and hear each other groan / Where palsy shakes a few, sad, last grey hairs, / Where youth grows pale, and spectre-thin, and dies / Where but to think is to be full of sorrow.” Ein Toter blickt aus dem Grab auf sein Leben zurück. Bringt einen zum Nachdenken über das eigene Leben.
_Joseph O’Neil: Netherland (HarperCollins, 2009). Ok, Cricket interessiert mich nicht die Bohne, auch nach der Lektüre von Netherland nicht. Die Faszination für diesen Sport erschließt sich mir nicht. Es scheint so damit zu sein wie mit dem Karneval: Man muss anscheinend damit aufgewachsen sein, um es zu mögen. Dass ich mir das Buch trotzdem gekauft habe, liegt daran, dass Cricket nur vordergründig im Mittelpunkt steht. Denn eigentlich geht es auch und vor allem um New York. Cricket dient dabei sowohl als Vehikel zur Beschreibung einer imagined community von Immigranten im New York als auch zur Schilderung des Lebens im New York nach 9/11.
_Henning Mankell: The Fifth Woman (Vintage Books, 2004). Wie immer spannend und gut geschrieben. Um es mit Nina Simone zu sagen: ‘Nuff said!
_Ray Bradbury: Fahrenheit 451 (Del Rey Books, 1991). Von diesem Buch hatte ich mir eigenlich viel mehr versprochen, es war letzlich aber eine sehr große Enttäuschung. Der grundlegende Plot ist ja eigentlich gut, aber die Charaktäre sind alle sehr flach gezeichnet. Die Wandlung von Guy Montag von einem Bücherverbrenner zu einem Bücherbewahrer ist viel zu einfach und oberflächlich beschrieben. Bradbury hat aus diesem Stoff einfach viel zu wenig gemacht. Zudem hatte mich auch das im Buch abgedruckte Interview mit Bradbury schon sehr ernüchtert, in dem er einfach als extrem selbstzufriedener Mensch herüberkam, der anscheinend sich auch selbst gern als etwas flacheren Charakter zeichnet.
_Cormac McCarthy: The Road (Vintage International, 2006). Eine um Längen bessere Dystopie von Cormac McCarthy. Der Leser kann nur erraten, was für eine Katastrophe über die Erde gekomen ist, denn eigentlich bleibt die Vorgeschichte komplett im Dunkeln. Wir beobachten Vater und Sohn auf ihrer eigentlich ziellosen Reise ans Meer, in der sie eine apokalyptische und fast menschenleere Landschaft durchqueren. Es wird nicht viel geredet - und eigentlich passiert auch gar nicht so viel. Allerdings versteht es McCarthy meisterhaft, eine Atmosphäre zu erzeugen, die den Leser fesselt und in die Geschichte hereinzieht. Der Kinofilm scheint etwas expliziter und actionlastiger zu sein, was aber natürlich nicht verwundert. Klick! fürden Trailer.