Mal wieder: Wall Street vs. Main Street
In der SZ-Wochenendausgabe gab es einen interessanten Artikel von Petra Steinberger - “Mit dem Zorn des Volkes: Populismus kann Verlockung sein - oder auch die Lösung” - der sich mit der Rückkehr des Populismus in der amerikanischen Gesellschaft und Politik beschäftigt. Huch, Populismus, was ist das denn (sowas gibt es in Europa ja schließlich gar nicht)?
Populismus ist einer jener Begriffe, der durch allzu häufigen Gebrauch zerfleddert wurde. Er ist Bewegung und Methode zugleich. Eine populistische Bewegung stellt sich im Namen des “Volkes” gegen die “Eliten” - wer auch immer damit gemeint ist. Sie verdammt die Institutionen des Establishments. Sie ist emotional. Sie will die Macht an “das Volk” zurückgeben. Und ein Politiker wird zum Populisten, wenn er sich lautstark den Forderungen einer solchen Bewegung anschließt oder wenn er, was Zyniker ihm meist als einzige Motivation unterstellen, dieses Empfinden und seine Rhetorik als Mittel der politischen Einflussnahme nutzt.
Jaja, der gute alte Populismus, im Angesicht der Wirtschaftskrise ist er also wieder aus der Versenkung aufgetaucht - in Form eines breiten Volkszorns, auf der Main Street verortet, der die habgierigen und unamerikanischen Eliten der Wall Street attackiert. Und diese Attacken, dieser Aufschrei des Volkes, steht ganz in der - so Steinberger - Tradition der amerikanischen Version des Populismus, in einer Reihe mit der Populist Party, FDR, und dem kulturellen Populismus von Nixon und seiner silent majority.
Doch es ist verwirrend, hier von einer Wiederkehr des Populismus zu sprechen. Denn der Populismus war immer da, tief verwurzelt im politischen Denken und Weltbild des konservativen Amerika. So stellt Steinberger auch richtig fest, dass sich “die populistische Rhetorik der Republikaner bis in die Regierung von George W. Bush” hineinzieht. Doch dieser republikanische Populismus war nicht nur ein Beiprodukt der Präsidentschaft von Bush II, sondern vielmehr einer der wichtigsten Bestandteile der republikanischen Strategie, ihrer Wahlkämpfe und Politik - und damit auch einer der Faktoren, der die Präsidentschaft von Bush II nach Bill Clintons Regentschaft erst ermöglichte…
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